
9. Juli - 2. Tag on Tour - Sylvensteinspeicher -> Ehrwald
Nach einer äußerst geruhsamen Nacht habe ich mein Rudel gewohnt liebevoll und voller Tatendrang geweckt Das Ziel für heute war offen: Option 1 nur bis nach Garmisch (wenn der Schmerz meiner Menschen überhand nimmt) oder Option 2 bis nach Ehrwald. Heute Morgen hätte ich den schmerzverzerrten Gesichtern der beiden nach zu urteilen eher auf Option 3 (ein Tag Pause) getippt, aber offenbar habe ich das Rudel unterschätzt! Andy hat sich unter dem Vorwand „Kopfschmerzen“ eine Schmerztablette eingeworfen, Janine hatte zwar überall Schmerzen, nur nicht im Kopf und hat daher stoisch drauf verzichtet. Böser Fehler, wie sich nach etwa 8 Kilometer herausstellte. An der Mautstelle südlich vom Sylvensteinspeicher hat sie sich Electrolyte gegönnt, der Erfolg war jedoch mäßig. Ein paar Kilometer weiter auf dieser tollen Mautstraße hat sie dann Andy doch gebeten, in den Tiefen unseres Gepäcks nach den Schmerztabletten zu suchen. Andy hat diese Herausforderung mit Blick in Janines Gesicht klaglos angenommen und hat auch gleich noch das Schmerzöl hervorgezaubert. Während Janine darauf wartete, das der Schmerz nachlässt, habe ich die Chance genutzt, ein äußerst erfrischendes Bad in der Isar zu nehmen. Da haben meine Menschen aber gestaunt, dass ich als (bisher) bekennender Wasser- Vermeidungs- Spezialist da freiwillig reingegangen bin! Nachdem Janine dann nahezu schmerzfrei war, begann ein Dialog zwischen den beiden, der sich in seiner Eintönigkeit durch die restliche Etappe zog. „Ach, ist das schön!“, ‚Traumhaft!“, „Schau mal, die Berge!“, „Die Wiesen sind so toll!“ usw., usw…. Ich habe irgendwann meine Ohren auf Durchzug geschaltet (zusammenklappen ging ja nicht: Angriffsfläche, Fahrtwind… - ihr wisst schon) und die vielen tollen Gerüche unterwegs genossen: frisches Heu, Kuhmist, toter Maulwurf,.. - „Ach, ist das schön!“. Gegen halb 12 haben wir dann die erste Pause gemacht und lecker Eiskaffee genossen. Auch ich habe eine Fingerspitze (oder zwei, oder drei…) Schlagsahne abbekommen - „Traumhaft!“. Da wurde dann auch das Ziel für heute festgelegt und gleich das Hotel gebucht: Ehrwald! Da habe ich ganz schon geguckt und meine Menschen innerlich für wahnsinnig erklärt! Wer darf sich denn das Gejammer dann wieder anhören? Etwa 3 Kilometer später ein kurzer Schreck - Janine hatte doch tatsächlich ihren Rucksack stehen lassen. Also hat Andy die Gepäckkutsche abgekoppelt und ist mal schnell zurückgefahren. Ich habe die ganze Zeit auf ihn gewartet und nach ihm Ausschau gehalten. Ich war SO froh, als er wieder da war. Danach lief es dann richtig gut und die beiden haben ganz schön Kilometer geschrubbt, natürlich nicht ohne „Schau mal, die Berge!“ (beliebig ersetzbar, sh. oben). Zwischenziel war eigentlich Garmisch-Partenkirchen für ein kleines Mittagessen. Die Skisprung-Schanze haben wir noch gefunden, den Rest von Garmisch-Partenkirchen dann allerdings versehentlich hintenrum umfahren. Wenn’s läuft, dann läuft´s … Neues Zwischenziel war dann Grainau. Nach einer kurzen Stärkung begann der Endspurt nach Ehrwald. Es wurde auch immer heißer, sodass Janine echt ordentlich in die Pedale getreten ist, damit mich der Fahrtwind etwas kühlt. Das fand ich total lieb, Andy hatte allerdings Mühe, mit dem ganzen Gepäck hinterherzukommen. Haben dann kurz vor Ehrwald noch einen kurzen, aber sehr erfrischenden Halt am Häselgehrwasserfall gemacht. Kurz vor um Fünf haben wir endlich unser Hotel in Ehrwald erreicht, Dort wurde ich von der Wirtin wie ein kleiner V.I.D. (Very Important Dog) empfangen und sehr angenehm von ihr betüddelt, während das Rudel (oder Personal?) das Gepäck aufs Zimmer geschleppt hat. Danach noch Abendessen für mich, eine kleine Runde durch Ehrwald gedreht, Abendessen für die Menschen und nun endlich Pfötchen ausstrecken - „Traumhaft!“
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